Brief an die Stadt  Bad Köstritz - das Projekt Sommerbad betreffend
Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Zum Schreiben II B.
Auf Ihr Schreiben vom 14. Juni, betreffend Ausarbeitung eines Projektes für die Errichtung eines Sommerbades für die Stadtgemeinde erwidere ich ergebenst, dass ich die Angelegenheit mit meinen Herren Kollegen besprochen habe.
Es ist selbstverständlich, dass das fragliche Projekt sehr gerne von den Technikern ausgearbeitet werden wird.
Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie noch der Heuernte mit den in Frage kommenden Kollegen und den Technikern das Gelände besichtigen und alles Weitere an Ort und Stelle besprechen wollten.
In ausgezeichneter Hochachtung
Gartenbaudirektor
                                        
Bad Köstritz, den 17. Juni 1929

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Erste "Höhere Gärtner-Lehranstalt" Thüringens von 1886 bis 1945 in Bad Köstritz
1886 Eröffnung einer ,,Obst- und Gartenbauschule" im November am Institut Settegast zur theoretischen Ausbildung von Gärtner-Gehilfen und Lehrlingen.
Dr. Hans Settegast gründete ursächlich sein Institut im Frühjahr zur theoretischen Ausbildung von Landwirten, schloss aber noch im Herbst 1886 eine Obst- und Gartenbauschule wegen der großen Nachfrage nach
Bildungsmöglichkeiten an, die in den Folgejahren die größere Bedeutung in Köstritz erlangte.
(Heute befindet sich in dem Gebäude - dem Palais - die Stadtverwaltung von Bad Köstritz)

1895 Gründung des ,,Garten- und Obstbauvereins für das Fürstentum Reuß j.L". durch Dir. Dr. Settegast mit Sitz in Köstritz.
1898 Erste Techniker-Kurse wurden für die Gärtnerausbildung angeboten. Einer der bekannteste Studierende war der spätere Gartenbauinspektor Paul Wallbaum.
1901 Ausbildungserweiterung von 2 Semestern auf 3 Semester für die Garten-Techniker-Prüfung..

1903 Dir. Dr. Settegast erbaute ein neues Instituts mit Lehrgarten und Internatsgebäude am Ausgang des Ortes Köstritz in Richtung Caaschwitz.
1910 Die Lehranstalt für Gartenbau in Köstritz wurde von der Reußischen Regierung zur ,,Höhere Gärtner-Lehranstalt" erhoben. Die Technikerausbildung erweiterte sich auf 4 Semester und ein Jahr später erhielt der Direktor, Dr. Hans Settegast, das Prädikat ,,Professor" auf Grund des 25jährigen Bestehens seines Institutes verliehen.
1913 Aus 33 deutschen Provinzen und 21 verschiedenen Staaten Europas, Amerikas und Asiens besuchten bisher die Gärtner-Gehilfen-Abteilung bzw. das Gärtner-Technikum der ,,Höheren Gärtner-Lehranstalt" in Köstritz.

1923 Das gesamte privat geleitete ,,Institut Settegast" mit der ,,Höheren Gärtner-Lehranstalt" geht in Folge der negativen ökonomischen Auswirkungen des 1. Weltkrieges in den Besitz der Gemeinde Köstritz über.
1927 Nach über 40 Jahren gibt Prof. Dr. Settegast die Leitung der Ausbildungsstätte ab und geht in den verdienten Ruhestand. Nachfolger im Amt wird Obstbauinspektor Curt Meymund. Nachdem 1926 die Gemeinde vom Thüringer Ministerium bereits das Prädikat ,,Bad" verliehen bekommen hatte, erhob man sie 1927 zur Stadt mit der Bezeichnung ,,Stadt Bad Köstritz".
1934 Die Lehranstalt wird neu profiliert und von der ,,Landbauernschaft Thüringens" übernommen. Damit wird sie erstmalig staatliche Ausbildungsstätte.

1936 Professor Settegast stirbt und wird unter großen Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Bad Köstritzer Friedhof beigesetzt.
1943 Die Gärtnerausbildung wird kriegsbedingt ausgelagert. Bad Köstritz wird Lazarettstadt. In Gera wird die Lehrlingsausbildung abgeschlossen und der ,,Höhere Lehrgang" mit Gartenbauinspektor Wallbaum wird nach Posen verlagert. Die ,,Schulgebäude" werden Lazarett.

Nach Kriegsende 1945 wird die Ausbildung von Gärtnern in Bad Köstritz nicht wieder aufgenommen. Erste Kurse für Obsttechniker begannen wieder 1946/47 in Gotha und 1949 eröffnete ein Kuratorium in Erfurt, das 1944 durch Führererlass zu Thüringen kam und deren ,,Hauptstadt" wurde, eine neue Gärtnerausbildungsstätte mit dem Fachschulabschluss eines ,,Gartenbau-Ingenieurs

Seit Gründung der Gärtner-Lehranstalt in Köstritz existierte in Bad Köstritz unter den aktiven Studenten eine Burschenschaft namens ,,Pomona". Sie wurden in den Jahren von den ,,Alten Herren - Pomona" unterstützt und deutschlandweit in Stammtischrunden bekannt gemacht.

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Persönlichkeiten der "Höheren Gärtner Lehranstalt" und ihr nachhaltiges Wirken
Settegast, Dr. Hans
Illustriertes Handbuch des Gartenbaus 1910, 1922 u. 1923; Direktor der gesamten ,,Höheren Lehranstalt" von 1886 bis 1927
Tutenberg, Ferdinand.
Projektant des Volksparks Hamburg-Altona u.a. mit Rosarium und Dahlien-Versuchsfeld 1914/15; Garteninspektorprüfung in Köstritz; Vorsitzender des V.E.K.P. um 1923, preußischen Gartenbaudirektor
Lange, Theodor
Illustriertes Gartenbaubuch um 1905; Dozent und Förderer der Pomona in Köstritz
Meymund, Curt
Obstbauinspektor' seit 1907 in Köstritz als Dozent; Direktor der Lehranstalt von 1927 bis 1934
de Haas, Dr. Paul Gerhard
1938 bis 1941 Leiter der höheren Gärtnerausbildung' danach in Pillnitz und als Professor für Obstbau in Hannover
Hendsch, Ernst Moritz
Gärtnermeister und Gartentechniker seit 1925, gestalterische Entwürfe zum Kurpark in Bad Klosterlausnitz und Freiluftbad in Bad Köstritz
Wallbaum, Paul
Gartenbauinspektor; lernte 1897/99 in Köstritz; Dozent und seit 1941 letzter Leiter der höheren Gärtnerausbildung.
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Burschenschaftliche Vereinigungen
Das studentische Vebindungswesen an der von Dr. Settegast gegründeten Lehranstalt für Landwirtschaft und Gartenbau zu Köstritz
(Auszüge aus: Beitrag zur Bad Köstritzer "höheren" Schulgeschichte. Erarbeitet und herausgegeben vom Heimatverein Bad Köstritz. 2001. Vorsitzender: Bernd Böhme
Dr. Settegast, bis 1878 ein akademischer Student an verschiedenen Universitäten und sicher mit der burschenschaftlichen Bewegung damals vertraut, lernte bereits als Direktor an der Landwirtschaftsschule in Brandis bei Leipzig eine ähnliche Vereinigung bei den dortigen jungen Landwirtschaftsschülern kennen. Sie war 1876, drei Jahre vor seinem Lehrantritt, als eine nicht-farbentragende Vereinigung namens ,,Ceres" gegründet worden. Er duldete sie auch später bei seinen studierenden Jugendlichen in Ronneburg und Köstritz und setzte an der Lehranstalt in Köstritz seine ganze Persönlichkeit dafür ein, daß die Studierenden in ihren Vereins-Aktivitäten sowohl nicht gegen die Staatsmacht als auch nicht gegen die eigenen Kommilitonen zuwider liefen.

Die verschiedenen Vereine und Verbände an der Köstritzer Lehranstalt des Dr. Settegast waren stets "nichtschlagende - farbentragende" Vereinigungen von "Fachschulstudenten". Ob die ,,WV Ceres" oder ,,WV Pomona" einer studentischen Dachorganisation vor 1933 angehörten, ist unbekannt - höchstwahrscheinlich nicht. Es gab lediglich Ende der 20iger und Anfang der 30iger Jahre eine inflationsbedingte Zusammenarbeit der ,,Alten Herren" der Pomona mit jenen ,,Alten Herrn" anderer Gartenbaulehranstalten in Pillnitz, Weihenstephan, Dahlem, Geißenheim u.a.

Die ersten Schüler des in Köstritz neu eröffneten "Institut Settegast", die sich in einer Vereinigung zusammenschlossen, waren die Landwirtschaftsschüler. Dies geschah in der nicht farbentragenden Verbindung "Ceres".
Das reichte den Schülern in Köstritz aber nicht. Sie strebten nach einer auch äußerlich sichtbaren farbentragenden Verbindung ähnlich den Burschenschaften an den Universitäten. Ihre Gründung als farbentragende Vereinigung erfolgte dann schließlich 2 Jahre nach der 1886 in Köstritz eröffneten Bildungseinrichtung
(Man spricht von einer Neugründung der "Ceres" als farbentragende Vereinigung.).

Die Zusammenschlüsse von Schülern und Studenten an der Köstritzer Bildungseinrichtung werden als "burschenschaftliche Vereinigungen" - nicht als Burschenschaften - bezeichnet.

1888
Die ,,Wissenschaftlichen Vereinigung Ceres" (WV Ceres) der Landwirtschaftsschüler wurde durch Dr. Settegast in Köstritz am 3. Februar als farbentragende Vereinigung ins Leben gerufen. Sie existierte neben der ursächlichen Vereinigung der nichtfarbentragenden ,,Ceres" (Spätere Angaben und Feierlichkeiten beziehen sich oft auf das BrandiserGründungsdatum 1876.).
1889
Anfangs hatten sich die Gartenbauschüler dem 1884 gegründeten Köstritzer Gartenbauverein ,,Flora" angeschlossen, bis am 6. Februar 1889 schließlich auch die farbentragende "Wissenschaftliche Vereinigung Pomona" (WV Pomona) unter dem Protektorat von Dr. Settegast ins Leben gerufen wurde.
Zum gleichen Datum wurde auch die nicht-farbentragende Vereinigung der ,,Ceres" in eine farbentragende Vereinigung überführt.

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Erinnerungen an Köstritz
Text: Richard Müller (Sem.94) aus Könnern a. S. Melodie: nach ,,0 alte Burschenherrlichkeit" Entstehungsjahr: 2. Febr. 1894
 
Wie war es doch in Köstritz schön,
Im reuß'schen Fürstentume;
Wo hübsche Mädchen wir geseh'n,
Getrunken manche Blume;
Wo wir so oft die Tour gemacht,
Zur Oelsdorfmühl' bei Tag und Nacht.
O jerum, jerum. jerum,
O quae mutatio rerum.

Um acht gings ins Kollegium
Um zehn war große Pause,
Und waren noch zwei Stund' herum,
Dann gings zum Mittagsschmause.
So lebten tagtäglich hier,
Doch niemals fehlt' es uns an Bier.
Ojerum, …

Des Dienstags an dem schwarzen Brett
Da konnt' man sich erquicken
Die Karzerstrafen dick und fett,

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Die konnt man da erblicken.
Wer nach 10 Uhr ging aus dem Nest,
Ward gleich verdonnert zum Arrest.
Ojerum, …

In der Botanik und Chemie,
Wußt keiner eine Bohne
Und gar in der Dentrologie
Gab's Strafarbeit zum Lohne.
Im Obst- und im Gemüsebau
War auch das Wissen ziemlich flau.
Ojerum, …

O Köstritz, schöner Badeort,
Nie wird' ich dein vergessen.
In langen Stiefeln hab ich dort
Den Dreck so oft gemessen,
Laternen hab ich nie gesehen!
Doch auch im Dunkeln war's ganz schön!
Ojerum, …

Bier - Komment (Auszüge)
(Köstritz 1913, Druck von C. Seifert, G.m.b.H.)
Die Kneipentafel setz sich zusammen aus dem Präsidium, den Burschen und den Füchsen

§ 1. Der Präses ist derjenige bierehrliche Bursche' der den ersten Platz an der Kneiptafel einnimmt, und selbst unter dem Komment stehend als oberste Autorität den geordneten Gang des Kneipabends zu leiten hat. Er hat die Lieder und die Verse zu bestimmen und anstimmen zu lassen. Er hat den Kneipabend zu eröffnen und zu schließen, die oberste Aufsicht über die Bierskandäler.

§ 2. Den Anordnungen des Präses ist unbedingt Folge zu leisten. Die Säumigen hat er ,,pro poena" trinken zu lassen. Derjenige, der aufs Geheiß des Präses nicht ,,pro poena" trinkt, fährt in den B.-V.

§ 3. Der Fuchsmajor ist diejenige Person, welche die Aufsicht über die Füchse zu leiten hat und der ist der natürliche Anwalt derselben, d. h. er hat sie in allen Biersachen zu vertreten und sie auf alle Verstöße gegen den Komment aufmerksam zu machen. Er hat ferner die Bierrichtung (4 Finger breit vom Tischrand) zu kommandieren, und ist verpflichtet, seinen Füchsen ein bestimmtes Quantum vorzukommen, welches die Füchse innerhalb 5 Bierminuten nachzukommen haben. Ist einer nicht mit Stoff versehen, so hat er mit der Blume nachzukommen. Der Fuchsmajor hat das Recht, die Füchse, sofern sie gegen den Komment verstoßen, sofort ,,pro poena" trinken zu lassen. Der Fuchsmajor hat kein ,,causa" zu verlangen. ...

§ 5. Die Füchse. Es sind dies alle im laufenden Semester neu aufgenommenen Kollegen und haben sie allen Fleiß auf gesittetes Betragen an der Kneiptafel und auf Beobachtung ehrerbietigen Benehmens den Burschen und A. H. gegenüber zu verwenden. ...

§ 7. Wenn jemand gegen den Komment oder sonstwie verfehlt, so hat jedes ältere Semester das Recht, das jüngere in die Kanne zu schicken. Füchse können niemand steigen lassen, während sie jeder Bursche in die Kanne schicken kann. Gleiche Semester können sich nur auf Reklamation steigen lassen. Vorbedingung ist, daß jedermann Stoff hat. ...

§ 9. Eine Begründung der Strafe des Steigenlassens kann erst nach dem Trinken mit dem Wort ,,causa" (d. h. Grund) verlangt werden. Es muß solange getrunken werden, bis der in die Kanne Schickende sich zu dem Kommando geschenkt herbeiläßt. Dann ist ,,ad Tempo" abzusetzen; es braucht jedoch nicht mehr als ein Ganzer getrunken werden. ...

§ 12. Bier-Impotenz. Hat ein Kneipbruder besondere Gründe, sich des Biergenusses zu enthalten, so muß er dies dem Präses mitteilen.

§ 13. Das Kommers-Buch ist stets mitzubringen; jeder ist verpflichtet, bei Liedern kräftig mitzusingen. Offenliegenlassen des Buches wird mit Stärken bestraft, Vergessen mit 10 Pfennig. ...

§ 15. Der Bier-Verschiß (B.-V.). Er ist der Verlust der Bier-Ehre und aller mit derselben verknüpften Rechte. Ins B.-V. stecken ist nur Recht des Präses und ist die schwerste Strafe, die einem Beteiligten an der Kneiptafel zudiktiert werden kann. Daß jemand Bier-Verschisser ist, tut sich äußerlich dadurch kund, daß der Betreffende an der ausgehängten Bierverschißtafel angekreidet wird und sich mit dem Rücken gegen die Kneiptafel zu setzen hat. Er darf mit niemanden sprechen, und wird ihm kein Stoff verabreicht. Das Ankreiden hat durch einen bierehrlichen Fuchs nach geschehener Publikation zu erfolgen. Das Herauspauken kann nach 5 Bierminuten geschehen. Entscheidung ist Sache des Präsiden. ...

§ 18. Salamander. Die höchste Ehre, die einem An- oder Abwesenden durch eine Kneiptafel erzeugt werden kann, ist, daß ein Salamander auf ihn gerieben wird. Auf Kommando des Präses werden die schäbigen Reste vertilgt und durch neue ersetzt; dann heißt es:
Präpariert euch zum Salamander auf N. N.
Präses: "ad exercitium Salamandri", sind die Stoffe präpariert?
Corona: "sunt" (resp. non sunt).
Präses: "ad exercitium Salamandri 1, 2, 3."
Auf ,,ad" erheben sich alle, und reiben von 1 - 3 mit den Gläsern auf dem Tisch.
Präses: ,,ad exercitium Salamandri 1 ... 2 ... 3 (langsam)." Während dieses Kommandos wird bis "3" mit den Gläsern auf den Tisch getrommelt.
Präses: "1, 2, 3."
+Bei "1" werden die Gläser gehoben und bei "3" auf den Tisch niedergeschlagen. Präses: "Salamander ex!"

Das Präsidium: (zeichnerisch: Zirkel der Pomona)

Der Schriftfiihrer:                                     Der Präses:
Ehring (?)                                                  Thiele, Th. (Sem., 15-16, Obergärtner, Ludwigshafen

 

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