Exkurs zur historischen Entwicklung der Dahlien
.beste Bildschirmauflösung. 1024x768, vergrößern+mouseove
Seltene exotische Pflanzen als Prestigeobjekte (Bernd Böhme)
.
.
Älteste aus Mexiko stammende "Wilddahlien" 1804 (aus Gartenmagazin 1804)
Johann Heiner Christian Eli: "Blumenstillleben" 1833
"Dahlien" 1853 Franz Krüger (1797-1857)
.
Um 1800 begann eine ungewöhnliche "Jagd" nach seltenen Pflanzen. Besonders Raritäten oder Pflanzen aus fernen Ländern waren begehrte Objekte. Sollten sie doch Wohlhabenheit, Bildung und Kultur bei den oberen Gesellschaftsschichten ausdrücken.
Man öffnete deshalb, da es damals noch keine farbigen Kataloge gab, kurzzeitig private Gärten und Glashäuser, um der Bevölkerung das Staunen bezüglich jener Pflanzen zu lehren (z.B. der Garten des Hofrates Wolfgang Wedel in Jena).
Zu diesen neuen Pflanzen-Raritäten gehörte auch die Dahlie aus ihrer Urheimat Mexiko. Später meist fälschlicherweise als Georgine bezeichnet. Samen von ihr wurde 1790 von Mexiko nach Spanien (Madrid - Botanischer Garten des Escorial) eingeführt und die anschließende Verbreitung der exotischen Blume über Paris, London und Berlin löste eine große Nachfrage aus. Sie wurden 1791 bzw. 1794 von Cavanilles erstmals in seinem wissenschaftlichen Werk "Icones" beschrieben. Als 1804 Alexander von Humboldt erneut Samen der Dahlie aus Mexiko aber andere Varietäten als jene schon Bekannten nach Berlin schickte, bahnte sich die Dahlie wegen ihrer großen "Wandelbarkeit" (leichte Vermehrung und große unterschiedlichen Varianz) ihren Weg durch ganz Deutschland. Anfangs natürlich nur in die herrschaftlichen Gärten.

Gleichzeitig bildete sich neben dem Berufszweig der Hofgärtner eine neue "Gärtnerschaft", nämlich der des "Kunst- oder Handelsgärtners", heraus. Jene waren bestrebt als private Unternehmen die Kultur und Züchtung sowie den Handel mit Topfpflanzen, Blumen, Gemüse, Obst- und Ziergehölz zu bestreiten. Die wohl damals bekanntesten in Mitteldeutschland waren Kunstgärtner Breiter (1750-1833) in Leipzig und F. T. Seidel (Kultivator besonders von Kamelien) in Dresden. Breiter hatte sich u. a. intensiv mit Dahlien beschäftigt.

Die allgemeine Pflanzenbegeisterung in Europa führte schon frühzeitig zur Gründung von Pflanzengesellschaften, die unter anderem besonders attraktive Blumenschauen übernahmen. Vorreiter waren in England die "Royal Horticultural Society" (1804) und in Belgien die "Societe' d' Agriculture et de Botanique de Gand" (1808). Letztere organisierte 1837 sogar die erste internationale Blumenausstellung in Belgien. In Deutschland kam es 1869 in Hamburg zur ersten internationalen Gartenbauausstellung.
In Preußen gründete man 1822 den "Verein zur Förderung des Gartenbaues im Königreich der preußischen Staaten", in Sachsen-Weimar bildete sich der "Verein für Blumistik und Gartenanlagen"; in Thüringen entstand der "Gartenbauverein" und in Dresden kam es zur Gründung der "Flora, Gesellschaft für Botanik und Gartenbau".

Christian Deegen hatte 1826 seine eigene Handelsgärtnerei in Köstritz eröffnet und sich besonders der Zucht und Kultivierung von Dahlien gewidmet. Die ersten Knollen erhielt er 1812 vom Garteninspektor Conrad Sckell in Weimar - Belvedere. Deegens erster Katalog über "Georginen" im Gründungsjahr seiner Handelsgärtnerei 1826 sollten im Laufe seines Lebens noch weitere 63 Jahreskataloge folgen.
Die wohl erste "Georginen - Ausstellung" mit eigenen Züchtungen in Deutschland organisierte er 1836 in der Aula der Universität zu Jena anlässlich der Tagung der deutschen Ärzte und Naturforscher, an der auch Alexander von Humboldt teilnahm.
1838 bemerkte Humboldt in einem Schreiben an die Fachwelt, dass er von seiner Reise 1804 nach Mittelamerika andere Spezies der Dahlie mitgebracht habe als jene, die bereits hier schon vorhanden waren Er war damit nicht der Erste, der sie in Europa einführte.
1840 erwähnte man, dass in Erfurt bereits die 5. Pflanzen- und Früchteausstellung, wohl
initiiert durch die neuen Handelsgärtner, stattfand. Auch reine Blumenausstellungen wurden deutschlandweit nun mehr und mehr angekündigt. 1842 registrierte man in Dessau bereits die dritte "Georginen - Ausstellung".

 
 

zurück zur Startseite "Geraer Dahliengarten"

 

Gründung und Aktivitäten der Deutschen Dahlien-Gesellschaft von 1897-1927 (Bernd Böhme)
Christian Deegen 1798-1888 
.J. Sieckmann und Ch. Deegen gelten als Altmeister der deutschen Dahlienzucht
J. Sieckmann 1804-1889
Balldahlien aus Deegens Colorblatt-Katalog um 1880
.Schmuckdahlie, Deegen 1927
Dahlie um 1910
Der Entwurf des Bauhausarchitekten SCHODER wurde 1930 realisiert.
Brunnenanlage - einer stilisierten Dahlie nachempfunden
Faltblatt mit Programm zum Dahlienfest 2004
 
.
Vor der Gründung einer nationalen "Deutschen Dahlien-Gesellschaft" hatten bereits die Altmeister der Dahlienzüchtung Christian Deegen und Johann Sieckmann aus Köstritz eine große Anzahl von Gartenbau- und Blumenausstellungen in Deutschland und einigen westeuropäischen Hauptstädten mit den schönen Herbstblumen beschickt und viele anerkennende Preise erhalten.
Seitens der deutschen Dahliengärtner wurde schließlich Ende des 19. Jahrhunderts der Ruf nach einer eigenen nationalen Gesellschaft immer lauter, nachdem bekannt worden war, dass solche sich in anderen europäischen Staaten und sogar in Übersee gegründet hatten. Sie trugen mit ihren Aktivitäten dazu bei, dass die Dahlie noch bekannter wurde und einen größeren Absatz der in "Mode" gekommenen Herbst-Blumen förderten.
Am 17. November 1897 war es dann so weit, dass man in Berlin für Liebhaber der schönen ,,Mexikanerin" und spezielle Dahlienanbauer eine deutsche blumistische Interessen-Vereinigung, die ,,Deutsche Dahlien-Gesellschaft" (DDG)" gründete.
(Einer der Initiatoren war der Köstritzer Dahlienzüchter Max Deegen, Christian Deegens Sohn. Leider verstarb er noch im gleichen Jahr, so dass sein Sohn Adolf an seine Stelle trat.)
 
Die DDG begleitete nun mit ihren Dahlien-Schnittblumenausstellungen und Freilandbepflanzungen die folgenden Gartenbau-Ausstellungen in den deutschen Großstädten:
1898 Erste Dahlien-Ausstellung der DDG im Fürstenhof zu Magdeburg.
1899 Dahlienschau in der Orangerie im Palmengarten Leipzig. Abgabe von Wertzeugnissen für Goldesel, Badenia, Sedan, Nachtfalter, Siegmund und Sieglinde. Im Schönheitswettbewerb siegten Loreley und Sonnenstrahlen.
1900 Dahlienschau im Palmengarten Frankfurt mit Dahlienauspflanzungen im Freiland. Hervortretende Sorten waren: Sonnenstrahlen, Nibelungen, Fritz Reuter, Green´s White, Progenitor, Uncle Tom, Magnifizenz und Countess of Lonsdale

1901 Dahlienschau im Zoologischen Garten Hamburg, in der "Ernst-Merk-Halle". Neue Sorten waren: Krimhilde u.a., aber auch Oda, Siegfried, Leuchtfeuer, Libelle, Geiselher, Rakete, Aunt Chloe, Sportles, Queen und Columbia konnten gefallen.
1902 Dahlienausstellung in Erfurt auf Einladung des Gartenbau-Vereins.
Besonders schön waren: Krimhilde, Brunhilde, Bornemanns Liebling, Thuringia, Lenau, Serpentina, Nymphaea sowie die "Ausländer" Dainty, Peace, Eva, Vesuvius und Comet.
1903 Keine große Dahlien-Ausstellung der DDG - nur eine Neuheitenschau in Köstritz. (unter der Regie von  Adolf Deegen, Inhaber der Gartebau-Fa. Max
Deegen).
Gezeigt wurden: Bornemanns Liebling, Thuringia (Deegen), Heinrich Heine, Schneewittchen, Victor von Scheffel, Alt Heidelberg, Rother, Walthari, Schöne Else, Paps Pius; als Ausländer waren zu sehen: Aurora, Fink Pearl, Effeetive, Ibis, Florence und M. Stredwick.
1904 Gartenbau-Ausstellung in Düsseldorf mit großer Dahlien-Freiland- u. Schnittblumenschau. Keine neuen Sorten!
1905 Dahlienschau in Darmstadt. Freilandschau weniger gelungen!
1906 Dahlien- u. Dahlien-Bindekunstausstellung im Berliner Landes-Ausstellungspark. Wertzeugnisse für: Johannisfeuer, Helene, Aschenbrödel, Schwan, Roland von Berlin, Elsaß.
1907 Dahlienausstellungen in Mannheim und Bremen. Anlage eines ersten Versuchsfeldes und einer Prüfungsstätte im Palmengarten Frankfurt/M.
(Fa. Max Deegen war mit einer Edeldahlie vertreten). Kurt Engelhardt übernahm das Amt des Vorsitzenden von Heinrich Kohlmannslehner. Sitz der Gesellschaft. war nun Leipzig.
1908 Blumenschau in Quedlinburg mit Neuheiten und gleichfalls wurde ein Neuheitenfeld in Frankfurt/M. eingerichtet.
An guten neuen Sorten wurden bekannt: Erecta, Goldregen, Harmonie, Othello, Undine, Lustige Witwe, Bergmanns Silber, Parade, Famos, Genoveva, Primadonna, Mondfee, Frigga, Nerthus, Walter Deegen, Delikat und Poesie.
1909 Dahlienschau in der Orangerie im Palmengarten Leipzig mit Bindeausstellung. Bemerkenswerte Sorten waren: Wolfgang von Goethe, Wodan, Rheinkönig, Modell, Hedwig Severin und Königin Luise.
1910 Gartenbauausstellung in Liegnitz mit Dahlienschau. Als neue Sorten wurden gezeigt: Gunther, Vater Rhein, Annchen Junge, Elfenprinz, Blaustrumpf

1911 Ungünstiges Dahlienjahr. Dahlienschau in Barmen. Einrichtung eines Versuchsgartens in Berlin-Dahlem.
1912 Dahlienschau im Botanischen Garten Hamburg, in der "Ernst-Merk-Halle" Es existieren 3 Versuchsfelder: Frankfurt/M (1907), Dahlem (1911), Leipzig.

1913 Dahlienschau in Breslau aber auch in Forst i. L.
1914 Die geplante Dahlienblumenschau in Altona entfiel wegen des Kriegsausbruchs.

1915-1918 Kriegsbedingt wurde keine Ausstellungen gezeigt. An Neuzüchtungen entstanden aber:
Samariterin, Immelmann, Fackel, Brennende Liebe, Schwarzwaldmädel, Gärtners Freude, Weltfrieden, Rheinspende, Sieger von Tannenberg, Sachsenkrone, Aureola, Feuerriese, Gruppenstolz, Carl Bergmann, Marie Kapphan.
1919 Kleine Blumenschau im Leipziger Palmengarten.
1920 Dahlienschau in Hamburg. Eine Schnittblumenschau fand nicht statt. Die Anregung zur Anlegung eines Schaugartens wurde nicht verwirklicht. Ein Versuchsfeld in Leipzig entstand.

1921 Erste große Dahlienschau nach dem Krieg in Dresden.
1922 Dahlienausstellung im Park Bellevue Berlin. Schnittblumen waren in einem Zelt zu sehen.
1923 Keine Ausstellung wegen des Inflationsjahrs.
1924 Dahlienausstellung in der Stadthalle Hannover.
1925 Schnittblumenausstellung in Altona. Erstmals Pompondahlien-Vergleichspflanzung neben dortigem Versuchsfeld.

1926 Gartenbauausstellung in Dresden. Auspflanzungen im Freiland. Das Dahlienstandardbuch "Die Dahlie" erschien. (Blumenschau am 11. u. 12. Sept. in Bad Köstritz - anlässlich ,,50 Jahre Gartenbauverein FLORA,,).
Neue Dahlien-Züchtungen waren: Herzblut, Ehrliche Arbeit, Lachendes Glück, Verheißung, Willkommen, Hohe Licht, Goldene Sonne, Götterstrahl und Weltruf, um nur einige herausragende Neuzüchtungen zu nennen.
1927 30 Jahre "Deutsche Dahlien-Gesellschaft". Auspflanzung von ca. 16 000 Dahlien auf der Gageli (Gartenbau- und Gewerbeausstellung Liegnitz - heute Liberec CSR) in Liegnitz.
(Feier zum 40 jährigen Bestehen der ,,Höheren Gartenbauschule zu Köstritz" im Juli in Bad Köstritz; Blumenschau vom 10.-12. Sept. in Bad Köstritz aus Anlass "100 Jahre Köstritzer Gartenbau")
1928 Dahlien-Freiland- und Hallenschau in Magdeburg. Dahlienauspflanzung am Schloss Belvedere in Weimar anlässlich des 100. Jahrestages der Gründung des Weimarer Gartenbauvereins.
Einweihung eines ersten Teilstücks des Geraer Dahliengartens am 1.September 1928!

Der GRUGA - Park (Große Ruhrländische Gartenbauausstellung) mit seinem Teilbereich der "Dahlien-Arena" wurde 1929 eröffnet. Er ist einer der größten Freizeitparks in Europa.

 

Nachschrift:

Als Nachfolger des Altmeisters der deutschen Dahlienzüchtung Christian Deegen (1798-1888) mit Wohnsitz und Gärtnerei am Köstritzer Palais galt sein Sohn Max Deegen. Er wurde noch "Mitbegründer" der DDG, starb bereits 1897 im Gründungsjahr. Den 1870 von Max Deegen neu gegründeten eigenständigen Gartenbau-Betrieb am Köstritzer Mittelweg übernahm 1896 sein Sohn Adolf Deegen (1871-1946).
Ein weiterer Köstritzer Gartenbau-Betrieb mit umfangreicher Dahlienzüchtung und deshalb zweiter Köstritzer Altmeister auf diesem Gebiet war Johann Sieckmann (1804-1889). Er gründete neben der Hofgärtnerei 1836 einen eigenen Gartenbaubetrieb. Nach seinem Tod und dem frühen Ablebens seines Sohnes Richard 1891 am Standort Köstritz musste seine Gärtnerei hier aufgegeben werden. Unter gleichem Namen (Johann Sieckmann) entstand aber im Nachbardorf Pohlitz unter der "Schirmherrschaft" von Willy Schade (1868-1957) wieder ein neuer Gartenbaubetrieb, der sich mit der Weiterkultivierung der Dahlie befasste.

Versuchsfelder (auch als Versuchsgärten bezeichnet) für Dahlien-Neuzüchtungen in Regie der Deutschen Dahlien-Gesellschaft gab es ab 1907 in Frankfurt/M., 1909 u. 1914 in Leipzig, 1911 in Berlin-Dahlem, 1912 in Altona und in München (Biologischer Garten). Auf den Versuchsfeldern wurden je 3 Dahlien-Neuzüchtungen deutscher Gärtner ausgepflanzt und von einer Jury bewertet. Als Ergebnis einer positiven Bewertung wurde dem Züchter für seine Dahlie ein "Wertzeugnis" übergeben - damals begehrte Urkunden, die umsatzfördernd von Dahlien-Handelsgärtnern eingesetzt worden sind.

zurück zur Startseite Geraer Dahliengarten
PPM05/11 .