Aussage zu seinen Texten
Kinderlieder Kinderlieder: Nürnberg 1893, Verlag der Jugend-Gartenlaube << zurück
Puppenliedchen.
Nun freu' dich, mein Püppchen,
Der Frühling ist da,
Nun geht's aus dem Haus mit
Juchhe und Hurrah!
Wir pflücken uns Blumen
Zu Strauß und zu Kranz
Und singen und schwingen
Uns jubelnd im Tanz.
Und kehren wir abends
Ermüdet nach Haus,
Dann schlafen im Bett wir
Für morgen uns aus.
Fabeln Neues Fabelbuch: Leipzig 1881, Verlag von Alphons Dürr << zurück
Zwei Gänse

Zur weißen Gans sprach einst vertraulich eine graue:
,,Laß uns spazieren nach jener grünen Aue, dort tun wir beide uns im Grase gütlich, denn in Gesellschaft gakt es sich doch sehr gemütlich."
,,Nein", sprach die weiße Gans, ,,da muß ich refüsieren,
mit meinesgleichen nur geh' ich am Tag spazieren,
Vertraulichkeit mit dir gereichte mir zur Schande, zwar bin ich eine Gans, doch eine Gans von Stande."

Ein Fuchs als Einsiedler.
Ein alter Fuchs, zu schwach zum Raub,
Bestreute seinen Pelz mit Staub,
Hing tief den Schwanz und schlich alsbald
Gebückt als Büßer durch den Wald,
Und kroch, bestaunt von Groß und Klein,
In einen hohlen Baum hinein
Und schnitt ein kläglich fromm' Gesicht.
Da drängte sich in Haufen dicht
Das Volk im Wald zur Siedelei
Und schleppte Speis' und Trank herbei,

Und jedes Tier bat flehentlich:
"Einsiedler, betet auch für mich!"
Und wollt' von ihm gesegnet sein;
Und segnend sprach auf gut Latein
Der Schelm: ,,Mundus vult decipi*),"
Und lebte trefflich, wie noch nie.

*) Die Welt will betrogen sein

 

Lyrik  Neue Gedichte: Leipzig1880, Brockhaus << zurück
Trinke
Hoch vom Baume ruft der Fink
lustig mahnend: Trinke! Trink!
Und schon fallen Tropfen schwer
Aus dem grauen Wolkenmeer.

Alles trinket, Baum und Strauch,
und die Blumen trinken auch;
doch noch immer ruft der
Fink von dem Baume: Trinke! Trink!

Das gilt mir, du loser Wicht,
aber Wasser trink ich nicht;
weißt du wo ein Schenkenhaus,
ei, so komm und flieg voraus.

Und als wär's ein Zauberwort,
fliegt der Finke lustig fort,
und die Schenke zeigt er mir
und schlägt lockend: Würzgebier.

Und hinein geht es im Flug,
und es schäumt der volle Krug,
und nicht länger mahnt der Fink
mich vergebens: Trinke! Trink!

Ostern

Es rauscht der Strom befreit von seinen Banden,
Die Erde prangt im grünen Halmenkleide
Und bunte Blumen bilden ihr Geschmeide;
Blau liegt der Himmel über allen Landen.

Und wo sich fromme Menschenseelen fanden,
Die noch am Freitag gingen tief im Leide,
Ertönt der Gruß, daß alle Trauer scheide:
Heut ist vom Tode Christus auferstanden!

Die Doppelfeier hab' auch ich begangen
Mit der Natur und meinem Herrn im Bunde,
Doch hegt mein Herz noch heimliches Verlangen.

Es hofft auf neue Auferstehungskunde;
Ein Wort der Liebe will's von dir empfangen,
Damit es ganz von seinem Gram gesunde.

 

Märchen  Strum´s Märchen: Breitkopf und Härtel  << zurück
Der Nix.

Es war einmal eine Mutter, die sprach zu ihren beiden Kindern, als das Weihnachtsfest gekommen war: "Hänschen, ich kann heut nicht in die Kirche gehen, ich habe noch zu kochen und zu backen; nimm dein Schwesterchen an die Hand und geht ihr heut einmal allein und betet für mich ein Vaterunser." Da zogen die Kinder ihre besten Kleider an, und
Brüderchen nahm Schwesterchen an der Hand und wollte mit ihm in die Kirche gehen.
Als sie aber an einen Teich kamen, glitzerte das Eis so lustig, daß Schwesterchen sagte:
Brüderchen, laß uns erst ein Weilchen huscheln; dann laufen wir recht, so kommen wir immer noch zu rechter Zeit." Brüderchen wollte erst nicht, denn die Glocke rief so laut, aber als es das Eis so glitzern sah, konnte es die Augen nicht wieder wegwenden. Die Kinder gingen auf den Teich und hatten bald die Kirche ganz vergessen.
Unter dem Eise aber lauerte der Nix, der sah die Kinder und dachte: ,,Nun hab' ich euch und ihr sollt mir mein Hauswesen besorgen und ich will mir's bequem machen."
Und er nahm einen großen Hammer und schlug an das Eis, daß es zerkrachte, und zog Brüderchen und Schwesterchen an den Beinen hinab, so jämmerlich sie auch schrien.
Nun mußten sie unten im Grunde wohnen, wo der Nix sein Haus hatte, und mußten die Fische füttern und ihnen die Schuppen blank putzen und an jedem Abend dem alten Nix die Muscheln aus dem schilfigen Haar lesen, und bekamen nichts zu essen, als Wassersuppe ohne Salz und Schmalz.

 

So führten sie ein trauriges Leben und sehnten sich nach ihrem Mütterlein, und weinten bittere Reuethränen darüber daß sie nicht auf den Ruf der Glocke gehört hatten.
Endlich, als die heilige Osterzeit kam, hörten sie die Glocke wieder rufen, und weil sie nicht in die Kiche gehen konnten, knieten sie nieder und beteten ein Vaterunser. Da stand der Nix vor ihnen und sagte: "Nun muß ich euch einen Wunsch erfüllen. Was soll ich euch thun?" Sie baten ihn, er möge sie ans Land bringen, und so ungern er es that, mußte er es doch thun.
Als sie aber nach Hause kamen, war eben ihr Mütterlein vor Kummer und Gram gestorben und lag bleich und kalt auf dem Bette.Und wie auch die Kinder weinten und die Mutter mit den süßesten Namen riefen: - sie regte sich nicht. Da rief die Glocke wieder, und die Kinder gingen in ihrer großen Traurigkeit und Herzensangst in die Kirche und fielen auf ihre Knie und baten den lieben Gott, er möge doch ihr Mütterlein wieder lebendig machen, und als sie gebetet hatten, kam eine große Freudigkeit über sie und sie sahen einander lächelnd an, als wollten sie sagen, er thut es gewiß. - Nach dem Gottesdienste gingen sie wieder nach Hause, und sie waren noch nicht weit gegangen, als ihnen ihr Mütterlein frisch und gesund entgegen kam. Da dankten sie alle dem lieben Gott, daß er so gnädig gewesen war und aus großem Leide eine große Freude gemacht hatte, und gingen von dieser Zeit an immer gemeinsam zum Gotteshause.

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Zwerge im Elstertal

,,Ich hielt es für ein Märtlein nur,
Was ich von Zwergen gelesen;
Nun weiß ich, daß sie auf unserer Flur
Getrieben ihr neckisches Wesen.

Die Alten sahen die putzige Schar,
Zwei Fuß hoch waren die Kerlchen,
Und wenn ihr Bauch ein Fäßlein war,
So glichen die Beine den Schmerlchen.

Sie trugen ein dünnes Lodenkleid
Und das war oft zerrissen,
Dann haben sie wohl zur Winterszeit
Erbärmlich frieren müssen.

Sie litten immer an Hunger und Durst
Und hatten doch keinen Heller;
Drum stahlen sie heimlich Brot und Wurst

 

Und zapften sich Bier im Keller.

Und halfen sie einmal da und dort
Beim Waschen, Backen und Braten,
So saß den Wichtlein doch fort und fort
Ein neckender Schelm im Nacken.

Und wie nun eben die Bauern sind,
Bei denen das Necken nicht Mode,
Sie grollten dem schelmischen Zwergengesind
Und würzten mit Kümmel die Brote.

Da zogen die Wichtlein durch den Ort;
Die Alten zählten verwundert
Von eins bis tausend und zählten fort
Noch manches volle Hundert."

So sprach die würdige Pfarrerin;
Der Pfarrer lauschte verwundert,
Und flüsterte lachend vor sich hin:
O gläubiges Jahrhundert!
Eintausendachtzehnhundert.

 

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Meyers Konversations - Lexikon
Ausgabe 1888

Stichwort: Julius Sturm

4) Julius, Lyriker, geb. 21. Juli 1816 zu Köstritz im
Reußischen, studierte zu Jena Theologie und wirkte seit 1857
als Pfarrer in Köstritz, bis er 1885 mit dem Titel eines
Geheimen Kirchenrats in den Ruhestand trat. Von seinen
Dichtungen sind hervorzuheben: "Gedichte" (Leipz. 1850, 5.
Aufl. 1882); "Fromme Lieder" (das. 1852, 11. Aufl. 1889);
"Zwei Rosen oder das Hohelied der Liebe" (das. 1854); "Neue
Gedichte" (das. 1856, 2. Aufl. 1880); "Neue fromme Lieder und
Gedichte" (das. 1858, 3. Aufl. 1880); "Für das Haus",
Liedergabe (das. 1862); "Israelitische Lieder" (3. Aufl.,

Halle 1881) und "Von der Pilgerfahrt" (das. 1868); ferner die
neue Sammlung "Lieder und Bilder" (Leipz. 1870, 2 Tle.);
"1870. Kampf- und Siegesgedichte" (Halle 1870); "Spiegel der
Zeit in Fabeln" (Leipz. 1872); "Gott grüße dich" (das. 1876,
3. Aufl. 1887); "Das Buch für meine Kinder" (das. 1877, 2.
Aufl. 1880); "Immergrün", neue Lieder (das. 1879, 2. Aufl.
1888); "Märchen" (das. 1881, 2. Aufl. 1887); "Aufwärts!", neue
religiöse Gedichte (das. 1881); "Neues Fabelbuch" (5. Aufl.,
das. 1881); "Dem Herrn mein Lied", religiöse Gedichte (Brem.
1884); "Natur, Liebe, Vaterland", neue Gedichte (Leipz. 1884);
"Bunte Blätter" (Wittenb. 1885); "Palme und Krone", Lieder zur
Erbauung (Brem. 1887). Tief religiöser Sinn, Innigkeit der
Empfindung und echt deutsche Gesinnung zeichnen die Dichtungen
Sturms durchweg aus. Er gab auch die Anthologie "Hausandacht
in frommen Liedern unsrer Tage" (Leipz. 1870, 5. Aufl. 1883)
und unter dem Pseudonym Julius Stern die Märchensammlung "Das rote Buch" (das. 1855) heraus.
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