Julius Sturm + Ludwig Richter
Julius Sturm 1877 "Kinderleben" in Wort und Bild Ludwig Richter
Julius Sturms Beziehungen zum Landschaftsmaler und Buchillustrator Ludwig Richter
Der Maler und Grafiker Ludwig Richter wurde 1803 in Dresden geboren und lebte bis zu seinem Tod 1884 in seiner Heimatstadt. Das künstlerisches Talent des Malens vom Vater geerbt, vervollkommnete er durch Landschaftsstudien während einem 3jährigen Aufenthalt ab 1825 in Rom. Nach Dresden zurückgekehrt, wurde er besonders durch seine Landschaftsmalerei aus Italien und durch Gemälde mit Motiven aus der Sächsischen Schweiz bald über die sächsischen Landesgrenzen hinaus bekannt, so dass man ihm bereits 1836 eine Professur für Landschaftsmalerei an der Dresdner Kunstakademie antrug, die er dann auch bis 1877 wahrnahm.

Ab den 50iger Jahren des 19. Jahrhunderts widmete er sich aber verstärkt der grafischen Buchillustration. So kennt man aus seinem Lebenswerk zu dieser Darstellungskunst über 3 000 Grafiken. Mit seinem Sohn Heinrich und Schwiegersohn August Gaber gründete sich sogar eine eigene "Familien-Werkstatt", in der man seine Grafiken für die Illustrationen in Holzschnitte bearbeitete. Richter malte im romantischen Stil neben Landschaften vor allem religiöse Motive und Szenen aus dem Leben der einfachen Menschen sowie Abbilder für Märchen in Kinderbüchern.

Diese illustrierten Bücher (z.B. Grimms Märchen) wurden auch dem reußischen Dichter Julius Sturm (*1816) bekannt und so ist es nicht verwunderlich, dass er Richter bat ihm für sein Kinderbuch "Das rothe Buch. Märchen für mein Kind" einen Titelbild zu zeichnen. Richter kam dieser Bitte nach und malte für Sturms Märchen den "Spielengel", eine Bild, das in diesem seinem zweiten Märchen-Buch 1856 Eingang fand (Sturm brachte 1844 unter seinem Pseudonym "Julius Stern" sein erstes Märchenbuch "Neue Märchen für die Jugend" bei Landherr in Stuttgart heraus). Leider konnte bisher dieses Sturmsche Märchen-Buch noch nirgends aufgefunden werden (Ist es möglicherweise gänzlich verschollen?). Diese Richter-Grafik aber taucht neben Darstellungen von anderen Grafik-Künstlern 1880 in Sturms "Buch für meine Kinder. Märchen und Lieder" (2. vermehrte Auflage) und 1881 noch einmal in Sturms weiterem Buch "Märchen" auf.
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Spielengel
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Das Gedichtsbändchen "Für das Haus", 1962 bei Brockhaus in Leipzig erschienen, schmückte Julius Sturm mit einem verehrenden Vorwort, welches er Ludwig Richter widmete. Er sah in ihm einen Gleichgesinnten, der auch in seinem grafischen Werk "Fürs Haus" (Darstellungen zu den 4 Jahreszeiten) 1858 all die Themen umsetzte, denen sich auch Sturm mit Versen näherte. Richter bedankte sich dafür persönlich in einem Brief für diese Ehrerweisung bei Sturm sehr herzlich.

Um 1875 war Julius Sturm in der deutschen Dichterszene bereits so bekann und anerkannt,

dass sich der Verleger Ferdinand Riehm aus Basel direkt an ihn wendete mit der Bitte, für jene von ihm erworbenen unveröffentlichten Richter-Grafiken passende Verse zu schreiben, um beides in Büchern veröffentlichen zu können. Sturm kam dieser Bitte gern nach. So entstanden unter dem Herausgeber Riehm mit Versen von Sturm und Grafiken (Holzschnitten) von Richter 1876 des Buch "Biblische Bilder" und 1877 in zwei Bänder die Bücher "Kinderleben in Wort und Bild". Letzteres erfuhr bis Anfang des 20. Jahrhunderts sogar mehrere Auflagen (Neuauflagen noch 1921 nachweisbar).

Beide - Sturm und Richter - waren mit ihren künstlerischen Ambitionen Vertreter der ausgehenden Epoche der Romantik. Ihre Beziehungen zueinander waren von punktueller Natur. Regelrechte Aufträge zur Illustration eines Sturmschen Märchen-Buches als auch eines Fabel-Buches gab es nicht.
Beide hatten eine religiöse Erziehung durchlaufen: Sturm war Evangelist und Richter bekennender Katholik. Sie liebten das einfache Leben der Menschen, das sie in ihren Bildern und Versen immer wieder festhielten. Besonders hingezogen fühlten sie sich zu den Kindern ihrer Zeit.
Das Richtersche Werk wird in Dresden gepflegt und jenes von Julius Sturm, das zum großen Teil in Vergessenheit geriet, wird in Bad Köstritz seit 2003 in einem eigens eingerichteten "Julius-Sturm-Gedenkzimmer" im Gebäude der Stadtverwaltung (Palais) mehr und mehr der Öffentlichkeit wieder bekannt gemacht.

 
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